Donnerstag, 14. August 2014

Näh-Gadgets

Im tiefsten Herzen bin ich ja eine Nähzubehör-Puristin und davon überzeugt, dass die Hobby-Industrie-Mafia (egal für welches Hobby) eine Menge überkandidelten Kram auf den Markt bringt, den kein Mensch wirklich braucht. Schaut euch zum Beispiel mal diese elektrische Schrägbandformmaschine von Simplicity für 99,99$ an - verrückt, oder? Ich habe einen der üblichen Schrägbandformer und benutze nicht mal den...


Aber was ich eigentlich erzählen wollte: vor kurzem kaufte ich doch mal wieder ein Nähzubehörteil und bin begeistert! Dieser Kreidestift mit auswechselbaren, auch farbigen Minen, löst nämlich das Problem des Anzeichnens auf weißen oder sehr hellen Stoffen, wo die üblichen Werkzeuge der Nähzubehör-Puristin, nämlich normale Schneiderkreide und Seifenstücke, versagen. Eine Zeitlang hatte ich bei hellen Stoffen die radierbaren Frixion-Stifte benutzt, über die ich hier schon mal geschrieben hatte, aber erstens war mein Vertrauen, dass die Linien beim Bügeln wirklich immer verschwinden, nicht ganz so hoch (und Suschna berichtete gerade, dass sich mehrere Monate alte Vorzeichnungen nicht mehr wegbügeln ließen), zweitens kosten die Stifte 3 Euro pro Stück und sind ziemlich schnell leergeschrieben - mithin viel zu teuer für Näh-Geizhälse wie mich. Von dem Kreidestift mit Minenset, der weniger kostete als drei Frixion-Stifte, werde ich viel länger etwas haben, und die Minen gibt es im Nachfüllpaket für 4 oder 5 Euro.


Das aller- allerbeste Nähzubehör aller Zeiten ist meiner Ansicht nach übrigens dieses kleine, nur 10 cm lange Alulineal. Es trägt die sympathische dänische Bezeichnung Sømometer und stammt von Stoff&Stil, im aktuellen Katalog heißt es Saum-Messer und ist etwas anders bedruckt. Bei Ebay gibt es solche Lineale mit dem Markennamen Sew Mate auch ab und zu, sie sind dort aber fast dreimal so teuer.

Die Vorsprünge und Aussparungen bezeichnen alle Maße, die beim Nähen, Bügeln oder Markieren wichtig sind: Mit den Maßen für 1 cm, 1,5 cm und 2 cm zeichne ich Nahtzugaben an, mit 3 cm, 4 cm und 6 cm bügele ich Säume um. Knopflöcher einzeichnen, hier was nachmessen, da auf dem Schnittmuster etwas dazuzeichnen - dazu benutze ich fast nur noch das Sømometer. Praktisch an dem Ding im Gegensatz zu normalen Linealen und Maßbändern: Man erkennt das relevante Maß auf einen Blick und kann sich beim Ablesen nicht so leicht vertun.

Habt ihr auch solche Lieblingswerkzeuge, auf die ihr nicht verzichten wolltet? Nachdem mich der Kreidestift so glücklich macht, verpasse ich vielleicht etwas Wesentliches, wenn ich sämtliches Spezialzubehör weiterhin ignoriere?

Mittwoch, 13. August 2014

Thema der Stoffspielerei im August: Weben und Verwandtes


Am letzten Sonntag im Monat, am 31. 8. ist wieder Stoffspielerei, ich bin Gastgeberin und sammele die Beiträge. Als übergreifendes Thema schlage ich Weben und Verwandtes vor - aus purem Eigennutz, denn ich hatte mir schon sehr lange vorgenommen, in diese Richtung zu experimentieren. Seit Monaten wartet hier ein kleiner Schulwebrahmen, den mir D. aus der Quiltgruppe netterweise überlassen hatte. Aber auch ohne Equipment lässt sich einfach weben - bei dieser Anleitung braucht man zum Weben zum Beispiel nur ein stabiles Stück Pappe. Bei Pinterest findet man zahlreiche Sammlungen, in denen einfache Webprojekte zusammengestellt sind, nur ein Beispiel hier

Noch schwieriger als das Wie finde ich jedoch das Was: Kleine gewebte Wandbehänge scheinen zur Zeit im Trend zu liegen, aber kann man auch Dinge weben, die man tatsächlich benutzen kann? Diese Untersetzer bei Purl Soho finde ich recht ansprechend (mal abgesehen davon, dass der Nutzen von Untersetzern im Nahtzugabe-Haushalt recht begrenzt ist), die anderen gewebten Projekte bei Purl bee, vor allem die Schals, sind zwar schön, aber alles andere als leicht und schnell gemacht und keine Anfängerprojekte, so weit ich das einschätzen kann.

Aber außer mit Garn lässt sich ja auch experimentell weben: mit Stoff- und Filzstreifen, mit Video- oder Kassettenbändern oder mit Stahlwolle wie bei der Textile Art, winzig klein auf einer Streichholzschachtel oder in ganz großem Maßstab, und auch verwandte Techniken wie Flechten oder Techniken, die sich mit der Struktur von Gewebe befassen, Hohlsäume zum Beispiel, würden sich anbieten. Das Motto "Weben und Verwandtes" darf gerne nach Belieben ausgedehnt werden. Wenn ihr nicht zu den regelmäßigen Stoffspielerei-Teilnehmern gehört, wäre es nett, wenn ihr dann zum Termin einen Link zu eurem Beitrag in einem Kommentar hinterlassen würdet, damit ich euch finde. 

Zum Schluss noch ein Inspirationslink, was mit handwerklicher Weberei alles möglich ist: Wie ich heute aus dem aktuellen Burda-Heft gelernt habe, ist die Firma Malhia Kent die Erfinderin und Lieferantin des typischen bunten Chanel-Tweeds und entwickelt besondere Stoffe für die Haute Couture aus ungewöhnlichen Materialien, zum Beispiel mit Federn und Glitzersteinen, mit Perlen, aus Bast oder aus Papier. Auf der Webseite kann man sich durch die aktuellen Kollektionen klicken, vom Wollstoff mit Streifen- oder Tartanmuster bis hin zu den wildesten Materialkombinationen.

Ich freue mich auf eure Einfälle zu dem Thema! 

Samstag, 9. August 2014

Ein Rückblick auf die Textile Art 2014

Mixed-Media-Collage von Karola Rose

So langsam komme ich dazu, die angesammelten Bilder und angefangenen Beiträge hier im Blog aufzuarbeiten - in den letzten Wochen war wenig Zeit für Dinge wie Bloggen oder Nähen. Für den Besuch der Textile Art vor mehr als einem Monat, am Wochenende vom 28. und 29. Juni, konnte ich mir auch nur einen knappen Vormittag abknapsen. Aber das lohnte sich! Die Textile Art ist eine Schau für Textilkunst und eine Verkaufsmesse für Handarbeitsmaterialien und -zubehör, und während ich im vorigen Jahr den Eindruck hatte, einer stagnierenden, möglicherweise sogar sterbenden Veranstaltung beizuwohnen, kam mir die Messe dieses Jahr vielfältiger und überraschender vor - und Dank neuer Kooperationen waren auch deutlich mehr Besucher da. 

Taschen aus dem Kinder-Wettbewerb "Meine Lieblingstasche" aus Lettland: Linda Smilskalene (11), Samita Rasinska (15), Kristiana Kalle (11)
Gewebtes bildete einen Schwerpunkt auf dieser Messe. Suschna hatte hier schon darüber geschrieben und einige Bilder gezeigt. Mir gefielen vor allem die gewebten Objekte aus ungewöhnlichen Materialien, zum Beispiel ein karierter Tischläufer aus Leinen und Stahlwolle von Tiina Kirsi Kern mit dem ironischen Titel "Tischgespräch", die Behälter aus Videobändern von Waltraud Münzhuber oder die edel glänzenden Stoffe von Sylvia Bünzel aus Baumwolle, Leinen und Videobändern, die zu Raumteilern oder Abendhandtaschen verarbeitet wurden. 

Tiina Kirsi Kern: Tischgespräch (Gewebter Tischläufer mit Stahlwolle))
Den Bilderzyklus "Women in their Fifties. Pythias" von Laima Oržekauskienė fand ich besonders beeindruckend: Die Kettfäden der gewebten Porträts wurden per Digitaldruck bedruckt, gewebt wurde teils mit goldenen und silbernen Fäden. Fotos geben die komplexe Schichtung der Strukturen nicht annähernd wieder - die Wirkung ist je nach Abstand des Betrachters zum Gewebten ganz unterschiedlich. Die aus der Ferne dominierenden Gesichter lösen sich in der Nähe in Muster und Strukuren auf. Einen Eindruck davon erhält man in einem Film hier. Erstaunlich auch, wie gut sich die Bilder in der Ausstellung behaupten konnten: die Textile Art findet in den Räumen einer Schule am Südstern statt, und die sehr zweckmäßigen Räume lassen sich nicht immer ausblenden. Der blaue Fußboden und der rote Streifen an der Wand wirken aber so, als wären sie extra für diese Bilder ausgewählt worden.
Laima Oržekauskiene: Women in their Fifties. Pythias (Weberei und Digitaldruck)
Die Cubelin-Sitzwürfel von Gabi Becker sind eine brillante Idee, brillant umgesetzt. Gabi Becker sammelt alte gestickte Gobelinbilder und setzt jeweils sechs in Format, Farbigkeit und Sujet zueinander passende Bilder zu modernen Sitz-Poufs zusammen. Das ist ironisch und witzig - wenn sich sechsmal Heiligenkitsch begegnet, oder gestickte Einhörner im Nebel auf Delphine unter dem Regenbogen treffen. Man sieht die Stickproduktion unzähliger Omas in diesem neuen Kontext mit ganz anderen Augen, bemerkt die wunderbaren leuchtenden Farben der gereinigten Gobelins und die angenehme Haptik der Stickwolle. Ich musste gleich an Griseldas Tablethülle aus so einem Gobelin denken - es lohnt sich sehr, solche Stickereien weiterzuverarbeiten.
   
Cubelin-Sitzwürfel von Gabi Becker
Ein nettes Gespräch hatte ich auch mit den Damen von Blautropfen Berlin, die Cyanotypien auf Stoffbeuteln und Tshirts anboten. Ich habe jetzt noch eine Idee, warum die Cyanotypieversuche im Nahtzugabe-Haushalt so unterschiedliche Blautöne und zum Teil verwaschene Bilder ergaben - möglicherweise habe ich einige Male aus Versehen die Rückseite der Stoffe belichtet. Da Stoff die Chemikalienlösung aufsaugt, ist es nach dem Trocknen nicht mehr ohne weiteres zu sehen, welche Seite die Vorderseite war. Ich habe auch gleich wieder Lust bekommen, noch einmal mit Cyanotypie zu experimentieren, oder zumindest meine Stoffe vom letzten Mal endlich zu verarbeiten. Einige Fotos vom Blautropfen-Stand finden sich hier bei Kristina.   

Modedesign trifft Textildesign: Britt Sobotta und Maria Kravets
Die Kleider von Britt Sobotta und Maria Kravets hatten es schwer, gegen die nüchternen Räume der Schule anzuwirken. In der Kooperation mit dem Titel "Romantic Warrior" kümmert sich Britt Sobotta um die Schnitte, die Anfertigung und die Mieder - sie betreibt außerdem die Berliner Miedermanufaktur. Von Maria Kravets stammen die handbemalten Stoffe, meistens Seide unterschiedlicher Qualitäten und Strukturen. Die fließenden, romantischen Kleider wirken in der Bewegung an der Trägerin - und ohne Schulmobiliar im Hintergrund - sicher nochmal ganz anders. Ich fand die Stücke interessant, weil ich schon lange einmal einen Stoff für ein Kleid mit Stoffdruck oder -malerei selbst gestalten wollte, mit einem Musterverlauf von den Schultern bis zum Saum, oder auf jeden Fall mit genau platzierten Mustern, und hier konnte ich schon mal schauen, wie man das angehen könnte, und noch dazu war Britt Sobotta eine ausgesprochen sympathische Gesprächspartnerin.

Apropos Gespräche: Leider hatte ich diesmal auch aus Zeitmangel und Mangel an Organisation keine Treffen mit anderen Textilbloggerinnen verabredet, aber immerhin konnte ich am Stand von Ste - Manufacta est kurz Hallo sagen. Glücklicherweise zeigte sie hier selber Bilder von ihrem Stand (und hier ihr zweiter Beitrag über die Textile Art), denn ausgerechnet dort machte ich kein einziges Foto. Wahrscheinlich weil ich so davon begeistert war, die Applikationen, die Nadelkissen und die Stickereien, die ich ja schon aus dem Blog kannte, nun tatsächlich richtig in der Hand zu halten, so dass ich gar nicht auf die Idee kam. Wenn es um Textilien geht, kann das Internet eben doch nur einen oberflächlichen Eindruck vermitteln - genau so, wie es eben doch etwas anderes und viel netter ist, sich einmal, wenigstens kurz, "richtig" zu treffen.

Zum Schluss daher noch einige Links zu Artikeln über die Textile Art von Bloggerinnen, mit denen ich leider nicht verabredet war: Von Hehocra hier, hier und hier und von Kristina hier und hier.

Mittwoch, 6. August 2014

Dirndl-Sewalong II: Schnitt und Stoff

Berliner Dirndl-Tristesse im nahem Einkaufszentrum

Ob im Einkaufszentrum am Berliner S-Bahn-Ring oder auf Sylt: die süddeutsche Folklore breitet sich anscheinend bundesweit aus und zeigt sich an den absurdesten Orten. Wesentlich erwartbarer war das große Dirndlangebot in München, wo ich bei einem Wochenendaufenthalt eine Schaufensterrecherche einschieben konnte. Ich hatte mich sehr darüber gefreut, dass sich die kurze Reise zufällig gerade jetzt während des Dirndl-Sewalongs ergab - aber ehrlich gesagt sah ich wenig bis nichts in den Läden, was mir gefallen hätte. Und dabei war es völlig egal, ob es sich um Kaufhausdirndl für unter hundert Euro, um die gehobene Dirndl-Konfektion bei Angermaier oder um die maßgefertigten Dirndl von Tracht und Heimat handelte. Mir hängt da generell zu viel Gedöns dran: Zu viel Borten, Rüschen, zu viel Knöpfe, Kettchen, Anhänger, Schnürungen, zu viel rosa, zu viel Müsterchen, und auf der assoziativen Ebene sehe ich teils zu viel Heimattümelei, teils zu viel plumpe Sexyness. Eines ist sicher: es gibt im Prinzip keine Kaufdirndl, die ich anziehen würde.

Aber (und jetzt im Chor mitsprechen): wie gut, wenn man nähen kann! Und ich freue mich sehr darüber, dass sich einige Mitnäherinnen beim Dirndl-Sewalong ebenfalls die Aufgabe gestellt haben, ein schlichtes, norddeutsch-städtisches Dirndl für Nicht-Dirndlträgerinnen zu nähen.


Was die norddeutsche Komponente betrifft, bin ich auf der Suche nach Fachliteratur auf das Buch von Christiane Gädtgens, Norddeutsche Stickmuster aus Vierlanden, Rosenheim 1986 gestoßen. Ich bin ja in den Vierlanden, aber leider ohne nähere Berührung zur dortigen Tracht aufgewachsen, wie ich hier schon geschrieben hatte. Das Buch von Gädtgens enthält nicht nur Stickvorlagen nach historischen Vorbildern, sondern auch Informationen zu den Bestandteilen der Vierländer Tracht nebst Schnittmustervorlagen.


Wobei das Sprechen von "der Vierländer Tracht" im Grunde schon verkehrt ist: Was heute als Tracht gepflegt wird, war die Festkleidung wohlhabender Familien zwischen 1850 und 1900, das liest man zwischen den Zeilen in diesem Buch. Interessant ist auch ein Text über die Vierländer Tracht von 1922, von Ernst Finder, der hier in Heft 29, S. 9-15 wieder abgedruckt wurde. Schon in den 1870er Jahren wurde bei Tanzveranstaltungen in den Vierlanden ausdrücklich um "städtische Kleidung" gebeten, um 1900 galt die Tracht als altmodisch und in den 1920er Jahren, als der Artikel publiziert wurde, war sie fast schon verschwunden.


Die aufwendigen Stickereien im Plattstich, oft mit Perlen, Pailletten und Golddraht und in Kombination mit Seidenbändern, wurden zum größten Teil von berufsmäßigen Stickerinnen angefertigt. Zuhause wurde zwar auch gestickt, zum Beispiel die Vierländer Stickmustertücher im Kreuzstich aus schwarzer Seide auf Leinen oder Muster und Monogramme auf Bettwäsche und Hemden, die Ausschmückung der Tracht aber erforderte ein handwerkliches Können, das die Gelegenheitsstickerin nicht vorweisen konnte. Heike war am Sonntag so begeistert von den Stickvorlagen, dass sie meinte, ich müsse so eine Stickerei unbedingt einbeziehen - allerdings ist es fraglich, ob ich das nötige handwerkliche Können besitze. Aber so eine Stickerei wäre schon schön, denn davon abgesehen sieht meine Planung im Moment schlicht und schmucklos aus.

Hier sind die Stoffe: 


Ganz links eine dünne schwarze Wolle-Polyester-Mischung für den Rock, den ich ganz traditionell stifteln, also in gleichmäßige, enge Falten legen möchte. In der Mitte ein mitteldicker anthrazitgrauer Wollstoff mit eingewebten weißen Streifen, daraus möchte ich das Dirndlmieder aus Burda 9/2011 (Modell 118) nähen, allerdings mit einem Knopfverschluss vorne, also eher an eine Weste erinnernd. Ganz rechts liegt ein blassroter Hemdenstoff mit etwas Struktur, aus dem möglicherweise eine Bluse wird, ich habe aber auch noch einen weißen Blusenstoff aus Baumwolle. Über den Schnitt für die Bluse und über Schnitt und Material für eine Schürze bin ich mir noch nicht ganz im klaren - aber bis wir im so weit sind, dauert es ja auch noch etwas. Einstweilen verweise ich auf die Stoff-und-Schnittsammlung beim Dirndl-Sewalong, wo auch viel Bunteres und Interessanteres genäht wird.   

Donnerstag, 31. Juli 2014

Mehr Strickjacken braucht der Schrank! (I)

Also ich kenne ja Leute, die würden den Sinn dieser Überschrift stark bezweifeln und die Umformulierung in "Mehr Strickjacken will der Schrank" vorschlagen, stricke ich doch im Grunde kaum etwas anderes als Strickjacken, selten mal einen Schal und vielleicht ein Paar Handschuhe im Jahr, und an Strickjacken herrscht hier kein Mangel. Aber ich mag Knit-alongs, also virtuelles gemeinsames Stricken sehr gerne, weil ich dabei immer auf so viele neue Ideen für Strickjacken komme (genug ist nicht genug) und schon unheimlich viel zur Stricktechnik gelernt habe, deshalb möchte ich im Rahmen von Chrissies Strickjacken-Knit-along auch zeigen, woran ich gerade stricke.


Projekt Nummer eins wird eine knapp hüftlange Jacke aus waldgrüner Cotton Merino von drops, nach bewährter Strickschlampenmethode berechnet. Das Zickzackmuster besteht nur aus rechten und linken Maschen, glatt rechte Zacken und Zacken im Perlmuster wechseln sich ab.

Die Vorderteile bekommen eingestrickte Taschen, dazu werden die Maschen für den Tascheneingriff (hier: 20) stillgelegt und in der folgenden Reihe wieder angeschlagen. Später nimmt man die stillgelegten Maschen wieder auf, schlägt an Anfang und am Ende jeweils eine Masche zusätzlich an und strickt ein Bündchen. Für die Rückseite der Taschen werden aus den neu angeschlagenen Maschen oberhalb des Schlitzes Maschen aufgenommen und die Taschenbeutel glatt rechts nach unten gestrickt. Zum Schluss soll man die schmalen Seiten der Bündchen und die Taschenbeutel unsichtbar festnähen. Ich bin selbst gespannt, denn das werden meine ersten Taschen in einem Strickstück. Möglicherweise habe ich sie ungünstig platziert, denn wie man sieht ist zwischen Tascheneingriff und unterem Bündchen nicht besonders viel Platz. Aber zur Not wird eben geribbelt.

Diese Jacke ist bis auf den Rest des zweiten Vorderteils, Blenden, Kragen und Taschen fertig, allerdings habe ich keine Wolle mehr. Morgen werde ich noch zwei Knäuel besorgen und hoffen, dass die Färbung nicht abweicht. Sonst: aufribbeln. No risk, no fun.       



Mit Projekt Nummer zwei begann ich, weil mir bei Nummer eins die Wolle ausging. Es wird der Takoma-Cardigan nach einer Knitty-Anleitung, gestrickt aus Karisma von drops in dunkelblau (Farbe 17), senfgelb (52) und grau-grün (69). Da Karisma dünner ist als das Originalgarn, stricke ich mit der Maschenzahl von Größe L, um schließlich Größe M zu erhalten. Die Passform sollte bei dieser großzügigen Opa-Strickjacke umproblematisch sein - die Anleitung empfiehlt "at least 4 inches positive ease", also eine Bequemlichkeitszugabe von mindestens 10 cm.  

Karisma verstrickt sich sehr flott, das Bündchen besteht aus einem Knäuel und war nach drei oder vier Stunden fertig, und ich aufgeschmissen: ich saß nämlich ohne weitere Wolle in einem Bus auf dem Weg nach München und hatte geplant, Hin- und Rückfahrt strickend zu verbringen. Noch bin ich froh, dass ich mich zu diesem Projekt durchgerungen habe, denn ich wollte schon sehr lange einen Strickmantel haben (haben, nicht unbedingt stricken). Mal sehen ob mir das Ding dann nicht zu bunt, zu groß, zu auffällig vorkommt. Aber angesichts der jedes Jahr steigenden Heizkosten wird der Takoma-Cardigan zumindest als zusätzliche Strickjacke für zuhause seine Berechtigung haben.

Viele weitere laufende Strickprojekte in Chrissies Blog.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Stoffspielerei im Juli: Sashiko (und andere Stickereien)


Japanische Sashiko-Stickereien hatte frifris als Thema der Stoffspielerei vorgeschlagen und in ihrer Ankündigung gleich ein paar Links zu Anleitungen und Musterbeispielen gepostet. Grob gesagt ist Sashiko eine Stickerei mit einem einfachen Vorstich, ursprünglich durch mehrere Stofflagen, die auf diese Weise zusammengehalten und stabilisiert wurden. "Einfach" trifft es aber nicht ganz: der verwendete Stickstich ist tatsächlich nicht kompliziert auszuführen, aber wie so oft bei japanischen Handarbeiten kommt es umso mehr auf Präzision und Gleichmäßigkeit an.

Ich dachte zuerst daran, die Technik mit etwas anderen Materialien als üblich umzusetzen, also einen dünnen, transparenten Baumwollvoile mit relativ dickem Baumwollhäkelgarn zu besticken. Sagen wir mal so: das kann man schon machen, es handelt sich dann aber nicht um Sashiko. Auf der Suche nach einem anderen Projekt fiel mir ein noch nicht fertiger Schal in die Hände, vermutlich von 2009, ich erinnere mich nicht genau. Ich hatte damals verschiedene weiße und blau-weiß-blasse Stoffe, Leinen, Stickerei und Hemdenstoffe zu seinem Streifen zusammengesetzt und bestickt, der Streifen sollte mit einem anderen dünnen, hellen Stoff gefüttert werden. Die alten Stickereien zeige ich weiter unten - ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, was ich mir dabei gedacht hatte. Pastell? Häkelblumen? Spitze? War ich das wirklich?



Aber zunächst zu meinem Sashiko-Versuch. Die Mustervorlage zeichnete ich mit dem Bügelmusterstift von Prym auf Butterbrotpapier durch und bügelte die Zeichnung auf die Rückseite des Stoffes. Der Bügelmusterstift sieht so aus wie ein Bleistift, die abgebügelten Linien sind blau und zerfließen etwas. Das Bügeleisen muss wirklich knallheiß sein, damit es funktioniert, daher ist die Methode nur für Naturfasern geeignet. Ich traute mich nicht, die Zeichnung auf die Vorderseite aufzubügeln, auch wenn sich der Stift meistens ganz gut auswaschen lässt. Der Stickerei wäre eine Vorzeichnung auf der Vorderseite auf jeden Fall sehr zugute gekommen - wie die anderen Sashikostickerinnen auch anmerkten, erfordert es ständiges Umdenken beim Sticken, wenn man von der Rückseite stickt, das fand ich ziemlich anstrengend, und das Ergebnis ist nur teilweise gut geworden.  


Die Aussparungen an den Kreuzungen in der Mitte der Motive sind aus Übervorsichtigkeit zum Teil arg groß geworden, zum Teil etwas verrutscht. Der Untergund ist ein grob gewebtes, leicht transparentes Leinen, gestickt habe ich mit Sticktwist dreifädig.


Hier sieht man die Rückseite - beim Sticken zerflossen die übertragenen Linien immer mehr, was möglicherweise mit den tropischen Temperaturen in letzter Zeit und der hohen Luftfeuchtigkeit zusammenhängt, es wurde jedenfalls zum Ende hin immer schwieriger, den genauen Linienverlauf auszumachen. Da Präzision für die Wirkung immens wichtig ist, würde ich die Sache beim nächsten Mal anders angehen und zum Beispiel ein auswaschbares Vlies verwenden und von der Vorderseite sticken, wie es ste vorgeschlagen hatte, als wir hier über das Übertragen von Stickmustern diskutierten. Bei anderen Stickereien ist es oft von Vorteil oder zumindest nicht von Nachteil, wenn man nur einen ungefähren Umriss hat, den man unbekümmert ausfüllt - hier nicht. 

Die anderen Stickereien möchte ich euch nicht vorenthalten, als da wären:


Selbstgemachte Shisha-Spiegel wie aus Indien. Die "Spiegel" wurden aus alten CDs geschnitten, nachdem ich längere Zeit erfolglos versucht hatte, große, flache silberne Pailletten als Einlage aufzutreiben. Die Methode des Umstickens ist an sich einfach, wenn man weiß, wie es geht - das hatte mich damals sehr begeistert.


Unregelmäßige Kreise im Kettstich gestickt - darin erkenne ich mich wieder.


An diese Blüten- oder Beerenzweige im Kettstich kann ich mich hingegen überhaupt nicht erinnern. Ich zweifele, ob ich den Schal jemals fertigstellen werde - und ob die Flecken überhaupt noch rausgehen, die das Teil in seiner langen Karriere aufgesammelt hat.

Die Sashiko-Stickereien vom Juli hat frifris hier gesammelt, und wie sie schon ankündigte ist das August-Thema "Weben" hier bei mir im Blog - dazu schreibe ich aber demnächst noch etwas.