Sonntag, 16. August 2009

Anders einkaufen (aber mit Tantentasche)

Gibt es eigentlich unfreiwillige Gewohnheiten, also von den Dingen mit Suchtcharakter einmal abgesehen? Wenn ja, dann bin ich mit dem Unfalltod des Autos eine unfreiwillige Gewohnheit losgeworden. Samstägliche Großeinkäufe in Großsupermärkten gehen mir nämlich unendlich auf die Nerven, und trotzdem fand ich mich bis vor kurzem fast jeden Samstag wagenschiebend unter Neonröhren wieder. Wie es dazu kam? Ganz einfach, hat man ein Auto zur Verfügung, dann ist es am zeitökonomischsten, einmal in einem Aufwasch alles in einem Laden zu kaufen. Ohne Auto muss der Einkauf anders organisiert werden, und was sich im ersten Schreck wie eine Einschränkung anfühlte, entpuppte sich im Gegenteil als ein Zugewinn an Lebensqualität und ja, an Spaß.

Geht alles rein: Rote Bete, Spitzkohl, Zucchini und Schmorgurke vom Speewaldbauernstand

Nun verbringen wir häufig einen Teil des Samstags auf einem Markt, zum Beispiel auf dem Winterfeldtmarkt, wo es nicht nur fabelhafte Scheren gibt, sondern auch fabelhafte Lebensmittel. Viel umweltfreundlicher ist die Sache auch noch. Anfahrt mit der U-Bahn, über den Markt bummeln, Obst und Gemüse aus der Region kaufen, zum Abschluss noch einen kleinen Kaffee, eventuell ein paar kleine Leckereien am asiatische-Suppen-Stand, am Pelmeni-Stand, am türkische-Zucchinipuffer-Stand oder am italienische-Süßspeisen-Stand essen und gemütlich wieder zurückgondeln – so sieht der entspannte Beginn eines schönen Wochenendes aus.



Nur meine Einkaufsbeutel, die würde ich am liebsten verstecken. Ja, ich gehöre zu den Leuten, die mit total verwaschenen, teilweise fleckigen, teilweise löchrigen Beuteln mit Werbeaufdruck losziehen. Für die Strecke Auto – Wohnungstür reichte das ja auch. Der Häkelbeutel ist ein erster Versuch, mit mehr Eleganz einzukaufen und verdankt sein Entstehen meinem Wunsch, richtig häkeln zu lernen, einem ertauschten Karton Häkelgarn und einer zehneinhalbstündigen Zugfahrt. Den Schnitt schaute ich mir von einem Patchworkbeutel ab, den ich einmal geschenkt bekam.



Man braucht 13 Quadrate aus Stoff oder eben Häkelquadrate, bei meinem Beutel haben sie etwa 15 cm Kantenlänge, kleiner oder größer geht aber auch. Die Quadrate werden erst zu einem Gebilde wie bei dem Schnittschema links zusammengenäht oder -gehäkelt (Bild anklicken, dann wird es größer), dann fügt man jeweils die Kanten zusammen, wie die Pfeile es andeuten. Oben ergeben sich vier Zipfel, an denen die Henkel in gewünschter Länge befestigt werden. Ich häkelte erst einen Rand aus festen Maschen und die Träger ebenfalls aus festen Maschen in eine Luftmaschenkette.



Wie bereits getestet hält die Tasche eine Menge aus - nur mit der Eleganz hapert es. Aber vermutlich wäre es paradox, ausgerechnet von einem Häkelwerk Eleganz zu erwarten. "Häkeln ist, wenn man bei einer Großtante zu Besuch ist, und dann liegt da so ein Deckchen", so lautet eine im Nahtzugabe-Haushalt populäre Arbeitsdefinition des Häkelns. Also kurzgefasst: Häkeln = (Groß-)Tante. Aber lieber Tantentasche als fleckiger Beutel, und da noch eine Menge Garn da ist, kann ich noch einige Versuche in Sachen Häkelbeutel starten. Eventuell lässt sich der Coolnessfaktor durch einen auf-, ein- oder angehäkelten Fernsehturm erhöhen? Auf solche Ideen kommt man nach einem Schaufensterbummel in Berlins Mitte.

18 Kommentare:

  1. Hallo Lucy,
    ich bn bei meinem sonntäglichen Blog-Spaziergang auf deiner Seite gelandet und habe mit viel Vergnügen in deinen Seiten geblättert. Hängen geblieben bin ich bei deinem Besuch in München....das mit eurem Auto (GottseiDank NUR das Auto)tut mir Leid! ...aber wo hast du den Laden mit den vielen Bändern und Borten entdeckt - den würde ich gern auch mal bei meinen Besuchen in München stöbern.
    Schönen Sonntag
    Sigrid

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  2. Hallo Sigrid,

    der Laden ist der "Kurzwarenrausch" in München in der Corneliusstraße 31, ganz nahe beim Gärtnerplatz. Schau mal, am 29. 5. habe ich nochmal was über den Laden geschrieben:
    Kurzwarenrausch
    Viel Spaß beim rauschaften Kurzwarenkauf!
    Lucy

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  3. Ich liebe Tantentaschen und deine ist besonders schön ! Über den markt zu schlendern ist wirklich etwas anderes, als durch den Supermarkt zu hetzen. Ich muß leider zum nächsten Markt gute 10 Kilometer fahren, also doch der supermarkt. Aber niiiee Samstags !!
    LG Eva

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  4. Bei uns liegen zum Glück Markt und Supermarkt nebeneinander, deswegen gehen wir zuerst über den Markt für Obst, Gemüse und Fleisch und danach in den Supermarkt für die Milchprodukte. (Ich bekenne, mit dem Auto. Mit dem Auto sind es zehn Minuten, mit der Bahn mußte ich erst mal mit der einen Linie halb in die Innenstadt rein, um dann auf die andere umzsteige, die mich die gleiche Strecke wieder raus fährt. Eine Querverbindung gibt es leider nicht.)

    Und wir nehmen den großen Cabas aus Frankreich mit, da kann das Gemüse dann auch ohne Tüte direkt rein, weil sich der ganze Dreck hinterher wieder rauskippen läßt. :o

    Deine Tasche ist doch eigentlich viel zu schön, für den Markt! ;) (Aber die Bauanleitung werde ich mir merken... das kann man doch auch anders verwenden. :) )

    Schönen Sonntag!
    marion

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  5. Super umgesetzt, ich habe auch so einen Beutel in Patchwork! Ich gege zu das Taschenmachen fasziniert mich oft mehr, als das Benutzen. meist bleibt es dann doch bei der Lieblings-zuallem-passen-tasche und der Schabbereinkaufstasche. dabei könnte man ja, wenn man wollte, viel stilvoller gehen...ich werde mich bemühen und deinem Beispiel folgen liebe Lucy!
    Vg Karen

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  6. Hi Lucy,
    danke für die schnelle Antwort - Adresse ist notiert!...und deine Häkeltasche sieht super aus!!!
    Herzlicher Gruß
    Sigrid

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  7. Ich finde, sie ist ganz und gar nicht ohne Eleganz...

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  8. Oh... die Tasche ist ja zauberhaft. Da bekommt man ja Lust zum Häkeln.

    Viele Grüsse
    --Christiane

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  9. Die Tasche ist sehr schön, warum erwartest Du von gehäkeltem keine Eleganz? Nicht alles was wie ein Deckerl anfang endet als Deckerl...:) die Tasche (in Wien würde man Netz sagen) ist sehr schön daran ist nicht zu rütteln. Und wenn ich mich recht erinnere gab's die Diskussion bezüglich "Selbstgemacht - welcher Wert" schon mal hier, oder?
    Besonders nett ist die Geschichte mit dem Garn.

    Mich lähmt, um nicht das allgegenwärtige Wort "stresst" in den Mund zu nehmen, der Einkauf im Supermarkt oder noch schlimmer Einkaufszentrum auch sehr. Ich glaube es liegt an der Kombination von schlechter Luft, Hintergrundmusik und Leute die gehetzt sind.
    Markt und schönes Netz besser geht's nicht!
    Gruß
    Teresa

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  10. Teresa, den Wert von Selbstgemachtem würde ich nie in Frage stellen! Dass ich Gehäkeltes immer ein wenig "tantenhaft" finde, liegt möglicherweise daran, dass sich Eleganz in meinen Augen durch Reduktion und Zurückhaltung auszeichnet, und Gehäkeltes all das im allgemeinen nicht ist. Genausowenig wie meine Vorstellung einer typischen "Tantenwohnung" mit Nippesfiguren und Deckchen...
    Marion, auch dieser Beutel wird bei mir gnadenlos in die Waschmaschine wandern, wenn es nötig ist. Pech gehabt, wenn er dann einläuft. Von den öffentlichen Verkehrsmitteln hier kann man anderswo nur träumen, ich weiß. Zum Winterfeldtmarkt ist es per Öffentlichen etwa gleich schnell wie mit dem Auto, nur entfällt die unberechenbare Parkplatzsuche, wegen der man als Autobesitzer lieber gar nicht zum Markt fährt. Das alles stellt man natürlich nur fest, wenn man kein Auto mehr hat. Vorher verstellt das Fahrzeug den Blick.

    viele Grüße, Lucy

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  11. Ach, ein bisschen Nippes neben all der Reduktion gibt doch erst die richtige Würze... Für Marktbesuche finde ich diese Tantentasche ausgesprochen passend.

    LG
    n u s

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  12. Du hast meine Bewunderung! Toll geworden ist es, dein elegantes Einkaufsnetz! Häkeln... ich hab es früher gemacht - vor ein oder zwei Jahren einen neuen Anlauf gemacht, aber feststellen müssen, dass ich einfach nicht mehr kann/mag .. und es anderen überlasse, die ich dann aber sehr bewunderte!!!

    Viel Spaß beim Einaufen auf kleinen Märkten unter der Sonne und Schäfchenwolken statt unter Neonröhren... und ja Samstags hier am Bodensee .. vor allem im August ... bekommt man oft gar keinen Einkaufswagen mehr ab - weil die Touristen wohl nur Samstags einkaufen können?? Ich jedenfalls habe es mir abgewöhnt!

    Herzliche Grüße von Ellen

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  13. Liebe Lucy,
    plötzlich verteidige ich Nippes und Deckerln, huch!
    Ich hasse eigentlich alles was reine Deko ist aber Gebrauchsgegenstände MÜSSEN schön sein. Optimal sind sie wenn sie praktisch und schön sind.
    Liebe Grüße
    Teresa

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  14. Es gibt nichts Eleganteres als Gehäkeltes!

    Die Rockstrickerin

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  15. Ellen, ich hab ja vorher kaum gehäkelt, nur als Kind mal feste Maschen und Stäbchen gelernt, und finde Musterhäkeln ganz schön kompliziert, brauche auch immer erst ein paar Versuche, bis ich die Anleitung verstanden habe. Stricken ist dagegen geradezu übersichtlich.
    Teresa, stimmt, der Nippesvergleich ist ein bißchen weit hergeholt - das Muster hat ja immerhin eine Funktion (und die erfüllt es ganz vorzüglich).
    (Ein gestrickter Rock wär ja auch mal 'ne Idee!)

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  16. Das Problem mit den "tollen" Stofftaschen kenn ich. Deswegen wollt ich mir schon lange mal den hier machen:
    http://www.brigitte.de/wohnen/selbermachen/luftmaschenbeutel-568344
    Nimmt auch gar nicht viel Platz weg, wenn man ihn immer in der Handtasche hat...
    Komm aber irgendwie nicht dazu. Vielleicht, weil ich immer noch mit dem Auto einkaufen gehe?

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  17. Ganz wunderbares Täschchen. Ich häkel seit kurzem auch in jeder freien Minute. Sieht auch alles tioll aus, nur mit dem zusammenfügen der einzelnen Teile hapert es bei mir. Egal, ob ich sie zusamennähe oder häkel. Wie hast Du sie zusammengefügt? VErrätst Du es mir?

    LG
    Nani

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  18. Nani, die Einzelteile sind zusammengehäkelt.
    Das wäre leichter zu zeigen als zu erklären, also:
    I
    ch lege zwei Teile rechts auf rechts aufeinander, steche mit der Häkelnadel an der Kante bei beiden Teilen durch die obersten Maschenglieder, hole den Faden durch, steche bei der nächsten Masche wieder bei beiden Teilen durch die beiden Maschenglieder, hole den Faden und ziehe ihn durch die vorige Schlinge usw.

    Auf der linken Seite, also da, wo man häkelt, hat man dann eine Reihe etwas erhabener Maschen, von vorne, wenn man die beiden Teile auseinanderklappt, ist die Naht ganz unauffällig und flach - und vor allem sehr haltbar!

    Ich hoffe du kannst mit der Erklärung etwas anfangen - in den meisten Häkelbüchern müsste das auch erklärt sein.

    viele Grüße!

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Vielen Dank für deinen Kommentar!